Zum Requiem

»Diese Liturgie beruht auf

der Klage eines dichtenden Heiligen, des Hl. Johannes Damaskinos, welcher 'der Mann aus Damaskus', genannt wird, der vielleicht nicht einmal ein Grieche war, aber ein Hellenist, der in griechischer Sprache schrieb, und dies ist eines der schönsten Gedichte der griechischen Literatur« (Theodorakis).

Der Text versucht, die tiefere Weltordnung zu ergründen und das »brennende Licht« zu finden.

Theodorakis hat sein »Requiem« in der Erinnerung an das Begräbnis seines Vaters geschrieben und diese Erinnerung so musikalisch festgehalten.

Der Komponist sucht neue Tonsprachen. Im »Requiem« schreibt er eine Frauenstimme vor, ein Novum für die byzantinische Musik, und einen Kinderchor: Sie sollen die kämpferische Präsenz des Lebens gegenüber dem besungenen Tode darstellen.

Mit der ganzen Verschiedenheit seiner Kompositionen will er zeigen, welche Möglichkeiten in ihm stecken, über all das hinaus, was er bisher bereits geschaffen hat.

Woher dieser Drang, sich immer wieder neu, immer wieder anders und doch immer höchstpersönlich und authentisch mitteilen zu wollen?

Ich glaube, es gibt nicht nur eine Antwort dazu: Theodorakis will den 1967 brutal unterbrochenen Dialog mit der Jugend, der nie wieder so recht angeknüpft worden ist, mit neuen Mitteln wiederaufnehmen.

Er möchte ebenfalls aus einem Wust von Mißverständnissen herauskommen. Wenn er für Millionen von Menschen der Komponist von »Zorba« und von anderen melodischen Ohrwürmern ist, so möchte er doch auch, daß er wenigstens für Tausende ein Komponist ist, der sich täglich bemüht, die griechische Musik weiterzuführen und ihr einen ganz eigenen, aber hochwertigen Platz in der universalen Tonwelt zu geben.


© Guy Wagner (1995)

Am 14. Dezember 2012 wird das komplette Werk aufgeführt.

Anm.: 1996 wurde das Requiem noch einmal von Alexandros Karozas in St. Petersburg aufgezeichnet. Die CD haben Alexandros Karozas und Asteris Kutulas veröffentlicht.