Maria Farantouri



Maria Farantouri wurde 1947 geboren, als Griechenland nach dem Zweiten Weltkrieg und deutsche Besatzung durch einen verbissen geführten Bürgerkrieg (1946-49) neue Wunden zugefügt wurde. Zur selben Zeit schrieb aber auch einer der bedeutendsten griechischen Dichter, Angelos Sikelianos, seinen "Marsch des Geistes", eine Hymne der Hoffnung, die 23 Jahre später in Mikis Theodorakis' Vertonung von Maria Farantouri gesungen werden sollte.

Von frühester Kindheit an war das Lied für sie Lieblingsbeschäftigung und innere Notwendigkeit zugleich. Schon als junges Mädchen wurde sie Mitglied des Klubs der Freunde Griechischer Musik, der neue, fortschrittliche Musik unterstützte, die auf der griechischen Tradition beruhte. Dank ihrer vollen Kontralt-Stimme wurde sie vom Chormitglied schnell die Solistin Maria Farantouri. Als solche hörte Mikis Theodorakis sie 1963 ein Lied von ihm singen, den "Kaimos". Der Eindruck, den die junge Sängerin auf den Komponisten machte, war so überwältigend, daß er nach dem Konzert zu ihr ging und sagte: "Du wirst meine Priesterin".

Er sollte Recht behalten: Einige Jahre später beschrieb Francois Mitterrand in seinem Buch "Die Biene und der Architekt" seine Eindrücke von einem Theodorakis-Konzert mit Maria Farantouri: "Maria, die priesterliche, mit ihrem anatolischen Kleid, die Bühnenpose mißachtend, aufrecht, die Arme an ihren Körper geschmiegt, nur mit ihrer rechten Hand leicht dem Rhythmus folgend, herrschte mit ihrer Kontralt-Stimme über das Orchester. Maria ist für mich Griechenland. So stelle ich mir die Göttin Hera vor, stark, rein und hellwach". Mit drei Sätzen gelang es dem späteren französischen Präsidenten, die Bühnenpräsenz und die interpretatorischen Fähigkeiten von Maria Farantouri treffend zu charakterisieren.

An der Seite von Mikis Theodorakis, der die griechische Musik und insbesondere das neugriechische Lied radikal veränderte, machte Maria Farantouri ein breites Publikum mit bedeutenden griechischen Dichtern bekannt - Elytis, Seferis, Kalvos, Ritsos und anderen. Ein damals noch relativ ungebildetes Publikum lernte sehr schnell, die vertonten Texte der griechischen Lyriker, darunter zweier Literaturnobelpreisträger, zu singen. Diese musikalisch-kulturelle Bewegung entwickelte sich rasant, bis 1967 die Junta die Macht an sich riß. Die Musik von Theodorakis wurde verboten, er selbst wurde nach viermonatiger Illegalität verhaftet. Maria Farantouri, damals gerade 19 Jahre alt, ging ins Exil nach Paris und verbreitete Theodorakis' Musik durch Konzerte und Aufnahmen, die in Griechenland über den BBC und die Deutsche Welle zu empfangen waren. So wurde Maria Farantouri zu einer Symbolfigur des Widerstands und der Hoffnung, in der ganzen Welt Hunderte von Konzerten gebend.

Nach dem Fall der Junta kehrten Theodorakis und sie nach Griechenland zurück, wo sie nach 7 Jahren Unterdrückung vor dem griechischen Publikum unvergeßliche Konzerte gaben. 50.000 Zuschauer erlebten die Aufführung des Canto General nach Texten von Pablo Neruda.

Nach 1976 erweiterte Maria Farantouri ihr Repertoire. Ein großer Erfolg wurde ihre Platte "Protestsongs aus aller Welt", auf der sie Lieder von Franco Corliano, Violetta Parra, Victor Jara und anderen singt. Sie nimmt auch die "Negrischen Lieder" auf, antirassistische Songs von Manos Loizos, eines der sensibelsten griechischen Liedermachers. Maria Farantouri arbeitet außerdem mit der inzwischen berühmten Filmkomponistin Eleni Karaindrou zusammen. Zur selben Zeit entsteht eine Platte mit Brecht-Liedern. Zusammen mit Eckerhart Schall gibt sie anschließend Konzerte im Berliner Ensemble und in Athen.

1976 bittet der andere große griechische Komponist, Manos Chatzidakis, Maria Farantouri um Mitwirkung bei der Aufnahme seiner Platte "Paraloga", auf der auch Melina Merkouri und Mikis Theodorakis singen. Die Zusammenarbeit mit Chatzidakis wird im nächsten Jahrzehnt fortgesetzt bei zahlreichen Konzerten und mit drei weiteren Schallplatten fortgesetzt. Nach Chatzidakis' Tod 1994 nimmt Maria Farantouri Lieder von ihm in ihr Repertoire auf.

Aufgrund ihrer klaren künstlerischen Entscheidungen ging sie schon sehr früh einen eigenständigen Weg innerhalb der griechischen Musikszene. Während ihrer Londoner Exilzeit, Anfang der siebziger Jahre, kam es zur Kooperation mit dem großartigen Gitarristen John Williams. 1982, in einem Moment der Annäherung und Aussöhnung zwischen Griechenland und Türkei, ergab sich die Zusammenarbeit mit dem türkischen Komponisten Zülfü Livaneli, mit dem sie auch heute noch gemeinsame Konzerte veranstaltet.

1987 begegnete Maria Farantouri dem kubanischen Komponisten Leo Brower. Es entstand die gemeinsame Platte mit den "17 Songs", für der Brower Lieder von Lucio Dalla, Nicola Piovani, Kurt Weill und Vangelis u.a. orchestrierte. Von letzterem stammen zwei Lieder, die er eigens für Maria Farantouri schrieb. Auch die argentinische Sängerin Mercedes Sosa wirkte bei dieser Produktion mit.

1991 sang Maria Farantouri im Athener Herodes Attikus Theater, begleitet vom Israel Symphony Orchestra unter Zubin Mehta, den "Mauthausen"-Zyklus von Theodorakis. Während ihrer langen Karriere hatte sie zudem das Glück, mit den bedeutendsten Orchestern zusammenarbeiten zu können. 1995 nimmt sie eine CD mit Liedern von Lucio Dalla auf, mit dem sie zuvor auf Capri Konzerte gegeben hatte.

Parallel zu all dem entstehen weiterhin Tonaufnahmen mit Werken von Theodorakis. Dazu gehören der eher klassische Lied-Zyklus "Beatrice auf der Straße Null", sowie die beiden CDs "Poetica" (1996) und "Asmata" (1998), die beim deutschen Plattenlabel "Peregrina" veröffentlicht wurden, instrumentiert vom Berliner Musiker und Komponisten Henning Schmiedt. Ihre letzte in Griechenland produzierte CD mit Theodorakis-Musik veröffentlichte Maria Farantouri im April 1998 unter dem Titel "Serenaten".

Sie arbeitet aber auch mit jüngeren Komponisten zusammen, zum Beispiel Perikles Kukos, einem Komponisten klassischer Musik, und beschreitet neue Wege, ihre Beziehung zum traditionellen Musikgut jedoch weiter aufrecht erhaltend. So interpretiert Maria Farantouri in letzter Zeit verstärkt demotische, rebetische und Insellieder sowie byzantinische Hymnen.

www.farantouri.gr