3. Symphonie Mikis Theodorakis



Mit seinen Kompositionen hat Theodorakis wesentlich dazu beigetragen, bedeutende griechische Lyrik über seine Heimat hinaus bekannt zu machen. Seine Sinfonie Nr. 3 basiert auf Dichtungen von Dionysios Solomos (1798-1837). 1823 hatte dieser die "Hymne an die Freiheit" geschrieben, deren erste Strophe später zur griechischen Nationalhymne wurde. Schon als Vierzehnjähriger hatte Theodorakis, damals noch unter dem Eindruck von Schopenhauer und Nietzsche, Abschnitte aus der Solomos-Dichtung "Die wahnsinnige Mutter" vertont. "Die Okkupation, der nationale Widerstand, die EPON wiesen mir einen neuen Weg. Der tragische Pessimismus und Romantizismus wurden von einem Gefühl des Protestes und dem Willen zur Tat abgelöst. Das war die Situation, da die Arie entstand 'Morgen werden wir ein paar Blumen pflücken'."

Mehrfach hat der Komponist sein Werk überarbeitet, bis 1981 die bisherigen Fassungen in die 3. Sinfonie einmündeten. Die erwähnte Arie bildete dabei den Schluss. Durch den eingefügten dritten Satz, den "Byzantinischen Hymnus für Petros von der EPON", aktualisierte Theodorakis die Totenklage. Als universalistischer Humanist übersprang er Epochen- und Gattungsgrenzen und verband Kirchliches mit Weltlichem, Aktuelles mit Vergangenem. Die ganze Sinfonie, in der Glockenklänge wiederkehren und mehrere Themen in sich kreisen, ist ein ausgedehntes Ritual. Die Trauer nimmt dabei nacheinander die Form der Klage (1. Satz), der Erregung (2. Satz), des ehrenden Andenkens (3. Satz) und der Fassungslosigkeit (4. Satz) an. Sowohl in den ziellosen Repetitionen wie auch in der fahl und verhalten aufsteigenden Largo-Melodie klingt im Schlusssatz die Einsamkeit später Schostakowitsch-Werke nach, in denen ebenfalls dem Sinn des Todes nachgegrübelt wird.

(Albrecht Dümling)

Am 14.Dezember 2012 wird die byzantinische Hymne, (D. Solomos, K. Kavafis) die auch Teile des Gedichtes "Die Stadt" von Konstantinos Kavafis beinhaltet, aufgeführt.